In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern und mit Unterstützung des United States Institute for Peace wird FEWER-Africa ein Projekt zur Bewertung des Zustands und der Rolle der Übergangsjustiz in der Region der Großen Seen starten.

Um zu verstehen, wie der Wiederaufbau von Rechtsstaatlichkeit zur Festigung des Friedens in der Region der Großen Seen beitragen kann, ist es unerlässlich, die Natur der bestehenden Mechanismen zu verstehen, mit denen die Bevölkerung Konflikte angeht. Es gibt eine bemerkenswerte Lücke zwischen den aktuellen Initiativen zur Unterstützung der Entstehung von Rechtsstaatlichkeit und den Konflikten, mit denen sie angegangen werden sollen.

Die Geschichte Ruandas seit dem Völkermord von 1994 und der ständige Wiederaufbau des sozialen und wirtschaftlichen Gefüges der Gesellschaft zeugen von dem komplexen Gleichgewicht zwischen Gerechtigkeit und Frieden, das in Gesellschaften nach Konflikten herrscht. In der Demokratischen Republik Kongo befindet sich die Bevölkerung in einem informellen Zustand.

Die Bevölkerung ist seit Jahren mit dem Zerfall des Staates konfrontiert, öffentliche Dienstleistungen (Sicherheit, Recht, Gesundheit, Bildung) zu erbringen, und hat umfangreiche informelle Strukturen geschaffen, um zu überleben. Fragen der Gerechtigkeit müssen eine delikate Linie zwischen der Bekämpfung der Straflosigkeit und der Anerkennung lokaler Perspektiven (les voix de la colline) der Konfliktdynamik einschlagen.

Dieses Projekt zielt darauf ab, internationalen und nationalen politischen Entscheidungsträgern praktische Empfehlungen zur Rolle der üblichen, informellen und institutionellen Justizmechanismen in Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo zu geben. Das Projekt wird Fragen der Zuständigkeit zwischen formalen und üblichen Systemen durch eine vergleichende Analyse des Gacaca-Systems in Ruanda und informeller Mechanismen der Rechtsprechung in der Demokratischen Republik Kongo untersuchen. Ein regionaler Ansatz wird dazu dienen, die möglichen Chancen und Herausforderungen des Aufbaus von Justizstrukturen nach Konflikten besser zu verstehen und einen Raum für den Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern aus jedem Land zu schaffen